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16. Des Menschen lebendige Pflicht

 

[PsG.01_016,01]

 

Was weilt ihr am Wege?

So müßig und träge

Zur Arbeit und Müh'!

Wer bloß da nur sinnet,

Doch nimmer beginnet,

Der endet auch nie. -

 

[PsG.01_016,02]

 

Beiseits mit dem Zaudern,

Granz weg mit dem Plaudern

Vom Thatengefühl!

Denn nicht durch's Empfinden,

Durch's Handeln nur finden

Wir einmal das Ziel. -

 

[PsG.01_016,03]

 

Ist sehr auch zu lehren

Nur Tugend zu ehren,

Die Sünde zu fliehen;

Doch hehrer, wenn Saaten

Schon reifender Thaten

Den Handler umblüh'n!

 

[PsG.01_016,04]

 

So Freude mit Segen

Auf düsteren Wegen

Die Reise verkürzt,

Und Tugend, im Kleide

Der Unschuld, die Freude

Vielfältig ihm würzt.

 

[PsG.01_016,05]

 

Ihr sollt das ihr schwören *),

Sie stets so zu ehren

Durch Thaten und Sinn;

Sie fest zu umfassen,

Sie nimmer zu lassen

Um keinen Gewinn **).

 

[PsG.01_016,06]

 

Vollendete blicken

Herab mit Entzücken

Auf solchen Entschluß,

Zu größeren Werken

Die Thät'gen zu stärken

Mit himmlichem Kuß!

 

[PsG.01_016,07]

 

Auf, Hände in Hände!

Und wollet behende,

Zu enden den Lauf,

Dann nehmen die Gatten

Der Himmel euch Matten,

Vollendeten auf.

Was nützt euch das Reden

Auf Kanzeln und Böden

In Kirche und Schul'?

Nur Eins ist vonnöthen:

Durch Thaten zu beten,

All's And're ist null!

 

[PsG.01_016,08]

 

Die Trägheit nur sinnet

Und nimmer beginnet

Zu führen die That;

Ohn' Suchen will finden

Sie, Leben ergründen,

Das nimmer sie hat! -

 

[PsG.01_016,09]

 

D'rum auf und behende,

Gebrauchet eure Hände

Zu säen die Saat,

Dann werdet ihr's merken,

Wie Gott euch wird stärken

Für himmliche That! -

 

[PsG.01_016,10]

 

Das hat euch beschieden

Der Vater im Frieden,

D'rum wachet und thut,

Und denkt, daß durch's Schlafen

Und Bücher begaffen

Nicht kommet der Muth!

 

[PsG.01_016,11]

 

Der allzeit zu Thaten

Beseelet die matten

Bewohner der Welt,

Und machet den Schwachen

In all' seinen Sachen

Zum tapferen Held.

 

[PsG.01_016,12]

 

D'rum weilt nicht am Wege

So müßig und träge,

Zur Arbeit und Müh'!

Wer bloß nur da sinnet

und nimmer beginnet,

Der endet auch nie.

 

Sit bene notandum! Dixi Dominus. Amen.

 

*) der Jugend; **) der Welt.

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