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63. Die drei Sterne.

 

(Empfangen durch J. L. am 13. Juni 1843.)

 

[PsG.01_063,VW] Schreibe auch noch ein Liedchen, dergleichen schon da ist; aber zumeist noch zu wenig rein, und somit der Wahrheit gemäß. Das Liedchen habe eben auch Glaube, Hoffnung und Liebe im Schilde.

 

 

[PsG.01_063,01]

 

Es wankt der Pilger an dem schroffen Felsgestade,

Da grüßt kein wirthlich Haus den heiß betränten Blick.

Wo bleibet wohl der Stern, der auf dem finstern Pfade

Mit sanftem Strahl erheitern möchte sein Geschick?

 

[PsG.01_063,02]

 

Nur hart umfängt die Nacht die sturmbewegten Wogen,

Kein sichrer Hafen winkt am uferlosen Meer;

Der Sehnsucht trüglich Licht hat schon gar oft betrogen,

Und rathlos schwankt das schwache Lebensschiff umher!

 

[PsG.01_063,03]

 

Da leucht't auf einmal mild, gleich vielen kleinen Sternen,

Aus freien Himmelshöh'n ein Segensstrahl herab,

Vertrau ihm fest, so wirst du Glauben kennen lernen,

Der wird dem Schmerz ein mächt'ger Trostes=Rettungsstab.

 

[PsG.01_063,04]

 

Du kennst den leisen Klang, der in des Herzens Tiefen

So süß, so rein und mild wie Engelsstimme tönt,

Die hehren Bilder weckt, die in der Seele schliefen

Und lieblich tröstend dich selbst mit dem Schmerz versöhnt!

 

[PsG.01_063,05]

 

Den heil'gen Himmelsklang, den jedes Ohr verstehet,

Dem heiße Sehnsucht still in Morgenträumen lauscht,

Der sanft wie Frühlingshauch erquickend dich umwehet,

Also wie da ein Bach durch blum'ge Fluren rauscht.

 

[PsG.01_063,06]

 

O sieh! die Hoffnung ist's, mit ihrem Saitenspiele,

Den Pilger hehr erheiternd auf der dunkeln Bahn;

Sie zeigt voll Huld und Mild' am fernen Wanderziele

Den lichten Siegeskranz, den wir eh' trüb nur sah'n.

 

[PsG.01_063,07]

 

Kennst auch den warmen Quell, der Leben bringend fließet

Im duft'gen Blumenkelch, wie in des Menschen Brust,

In's eb'ne Friedensthal sich klar und sanft ergießet,

Uns allzeit segnend tränkt mit süßer Himmelslust.

 

[PsG.01_063,08]

 

Der lächelnd sich um bunte Blumenufer windet,

Wie Silberband auf dem smaragd'nen Grün,

In dem ihr treues Bild die Unschuld wieder findet,

Wenn still geröthet höh'r die zarten Wangen glühn.

 

[PsG.01_063,09]

 

Es ist die Liebe, die da unter Blüthenbäumen

Als ein gar fröhlich Kind in süßen Träumen lebt,

Das heiter blickt nach jenem lichten Himmelsräumen,

Aus denen sie, die Lieb', zu uns herabgeschwebt!

 

[PsG.01_063,10]

 

O möcht' des Glaubens Stern stets deine Nacht verschönen

Sein heil'ger Gnadenquell dein hoffend Herz erfreun,

Und möcht' der Liebe heller Klang in dir ertönen,

So wird das höchste Glück mit dir den Bund erneu'n.

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